Heimat

Museumsobjekt: Säule antike Uhr
Entstehungsdatum: unbekannt
Künstler/Hersteller: unbekannt
Entstehungs/Fundort: unbekannt
Technik/Material: unbekannt
Museum: Germanisches Museum
Ort (Museum): Nürnberg
Bundesland: Bayern

Kommentar:

Ich verbrachte fast die ganze Zeit meines Lebens in Kriegenbrunn, Erlangen. Obwohl es mir dort gefällt, bin ich nie auf den Gedanken gekommen, es als meine Heimat zu bezeichnen. Mein Vater kommt aus Griechenland, meine Mutter aus Deutschland. Vielleicht fühle ich mich deswegen vor allem einem geeinten Europa verbunden, Europa als Heimat.
Auf der Suche nach europäischen Gemeinsamkeiten bin ich auf die Säulen vor dem Germanischen Museum in Nürnberg gestoßen, in denen jeweils ein Grundrecht in deutscher und einer anderen Sprache eingemeißelt sind. Der Rechtsstaat und die Menschenrechte sind sicher etwas, das alle europäischen Staaten eint (wobei ich nicht sagen will, dass der Rechtsstaat von den Europäern gepachtet ist). Europa zeichnet sich auch durch eine liberale Gesellschaft aus. In Ghana, wo ich ein Jahr lang zur Schule ging, sind Teile der Gesellschaft streng religiös, vergleichbar mit den USA. In manchen Kreisen behält man es besser für sich, wenn man die Bibel nicht wörtlich nimmt. In Amerika wurde in einigen Schulen aus religiösen Gründen die Evolutionstheorie aus dem Lehrplan gestrichen. Bei uns ist es normalerweise kein Problem, im Religionsunterricht zu sagen, dass man nicht an Gott glaubt. Als in Ghana ein internationaler Homosexuellenkongress geplant war, konnte er auf Grund der heftigen Proteste nicht stattfinden.
Nicht ohne Grund sind auf den Säulen vor dem Germanischen Museum die Grundrechte jeweils in Deutsch und einer anderen Sprache verfasst. Allen europäischen Staaten stellt sich die Herausforderung der Immigration und der Integration von Immigranten. Eine Entwicklung, die sicherlich eine Chance darstellt, aber nicht ohne Schwierigkeiten ablaufen kann.

Da ich in Deutschland aufgewachsen bin, und Deutsch meine Muttersprache ist, habe ich mir überlegt, was typisch für Deutschland ist. Dabei bin ich auf die Uhr gestoßen. Wenn man sich überlegt, was typisch für ein Land ist, kommt man an Klischees nicht ganz vorbei. Ich habe versucht, ein Klischee zu finden, das möglichst treffend ist. Die Uhr steht neben der deutschen Vorliebe für Pünktlichkeit für Genauigkeit, Korrektheit, ein geordnetes System, Vorschriften, Regeln und Regulierungen. Ein Beispiel dafür ist, dass der Deutsche morgens um zwei Uhr, wenn niemand unterwegs ist, an der roten Ampel stehen bleibt und wartet, bis sie grün wird. Eine solche Haltung bietet Vor- wie auch Nachteile. Wer, überspitzt formuliert, wie ein Uhrwerk funktioniert, arbeitet dementsprechend effektiv. Während meines Aufenthaltes in Ghana stellte ich fest, dass man dort viel Zeit mit Warten verbringt Nicht selten kommt es vor, dass man bei Behörden zwei bis drei Stunden warten muss, um die Auskunft zu erhalten, morgen um die gleiche Zeit wieder zu kommen, weil der verantwortliche Beamte jetzt zum Lunch muss. In Deutschland kommt dergleichen wohl eher selten vor.
Zu viele Regeln verkomplizieren allerdings auch unnötig. Rund zwei Drittel aller Steuerberatungsbücher weltweit sind in deutscher Sprache geschrieben. Ausufernde Bürokratie ist sicherlich ein Problem, mit dem Deutschland zu kämpfen hat. In Deutschland ist alles bis ins kleinste Detail geregelt. Allein die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen ist nicht geregelt – ein Stück deutsche Freiheit, der restliche Straßenverkehr hingegen ist genauestens geregelt. Dennoch weist Bayern eine höhere Unfallstatistik als Italien auf. Mein Lieblingsparagraph (kein Witz!) ist derjenige, der die Besitzverhältnisse von Hundekot regelt: Wenn ein Hund auf einem Grundstück Kot hinterlässt, hat der Eigentümer dieses Grundstücks rechtlich Anspruch auf den Hundekot und nicht der Besitzer des Hundes.

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Alter: 18
Ort: Erlangen
Schule: Emmy Nöther Gymnasium